eLearning2.0 - Neue Lehr/Lernkultur mit Social Software?

Günter Wageneder

Tanja Jadin



Anm. 1:
Dies ist die Online-Version des im Tagungsband zum
13. Treffen des Forum Neue Medien Austria
erscheinenden Artikels.

Anm. 2:
Entstanden ist dieser Artikel mit Google Docs & Spreadsheets. Der Artikel kann auch eingesehen werden.


Anm. 3:
Wenn Sie zu diesem Artikel einen Kommentar hinterlassen wollen, laden wir Sie ein, dafür den entsprechenden zu nutzen. 

.


Unter dem Schlagwort eLearning2.0 wollen wir in diesem Artikel Lehr- und Lernszenarien vorstellen und diskutieren, in denen Social Software, vor allem Wikis, Weblogs und RSS(1) als didaktische Werkzeuge eingesetzt werden. Wenn wir den Begriff eLearning2.0 verwenden, stellt sich die Frage, was ist neu am eLearning2.0 und was ist oder war eLearning1.0? Wenn wir uns dem Ursprung der "Versionshysterie" zuwenden, also dem Wort Web2.0 von Tim O`Reilly (O`Reilly, 2005), so sind die wesentlichsten Merkmale der Generation 2.0, dass das Web zur Plattform wird, dass die Nutzer ihre eigenen Inhalte gestalten und verwalten, dass zunehmend eigene, bisher persönliche Daten oder Inhalte verschlagwortet (also mit Tags(2) versehen) und öffentlich präsentiert werden. Hier sind Anwendungen wie Wikis, Weblogs, Flickr und YouTube zu nennen. Es geht nicht mehr um reine Veröffentlichung auf Homepages (Web1.0), sondern um die Teilnahme (Web2.0) in weltweiten Netzwerken (O`Reilly, 2005). In welchem Zusammenhang stehen diese neuen Medien nun zu eLearning und welche Potenziale gilt es zu nutzen? Kerres (2006) stellt eLearning1.0 dem eLearning2.0 gegenüber: Bei eLearning1.0 war die Lernumgebung "eine Insel im Internet mit Inhalten und Werkzeugen" (ebd., S.6) und wandelte sich bei elearning2.0 hin zu einem Portal. Während bei der Version 1.0 der oder die Lehrende alle Ressourcen den Lernenden zur Verfügung stellt, werden bei 2.0 diese von den Lehrenden aggregiert. Die dritte Unterscheidung betrifft die Ebene der Lernenden. Diese nutzen nicht allein die vorgegebenen Inhalte und Werkzeuge, sondern konfigurieren ihre eigene n persönlichen Lern- und Arbeitsumgebungen (ebd., S.6).

Wir wollen daher folgende Arbeitsdefintion für diesen Artikel vorschlagen: Von eLearning2.0. kann dann gesprochen werden, wenn unter Einsatz von Web2.0-Medien bzw. von Social Software wie Wikis, Weblogs und RSS Lernende in kollaborativen Lernaktivitäten Inhalte selbständig erarbeiten und erstellen und für ihre Lernziele verwenden. Gemäß dieser Definition wird ein wesentliches Merkmal eines eLearning2.0 klar erkennbar: die Selbständigkeit der Lernenden beim Wissenserwerb. Dieses Charakteristikum ist jedoch nicht neu. Bereits in bestehenden Lehr- und Lerntheorien kennen wir die Bedeutsamkeit der zunehmenden Lernerautonomie und die veränderte Rolle von Lehrenden in Form von Tutor/inn/en oder Coaches (mehr dazu bei Jadin, in Druck). Dementsprechend macht es Sinn, zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien wie folgt zu unterscheiden.



Zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien

Ausgehen möchten wir von einer uns wichtig erscheinenden Differenzierung zwischen zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien: "eLearning mit Selbstlernmaterialien" und "Seminaristisches eLearning". Bei der einen Form steht die Vermittlung bzw. das Konsumieren fixer und genau abgegrenzter Inhalte im Vordergrund - ähnlich wie bei einer Vorlesung; bei der anderen Lehr- und Lernform das prozesshafte Lernen, die Kommunikation und die Kollaboration – vergleichbar einem Seminar. Siehe dazu die folgende Tabelle 1:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

eLearning mit Selbstlernmaterialien

 

Seminaristisches eLearning

 

 

 

 

 

<------------------------ tendenziell ------------------------>

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsorientierung

 

Prozessorientierung

 

 

an kognitivistischen oder behavioristischen Prinzipien orientiert

 

an konstruktivistischen Prinzipien orientiert

 

 

 

 

 

 

 

individuelles Lernen

 

kooperatives/kollaboratives Lernen

 

 

Kommunikations- u. Kooperationstools spielen eine geringe Rolle

 

Kommunikations- u. Kooperationstools spielen eine große Rolle

 

 

(Tutorielle) Betreuung möglich aber selten

 

(Tutorielle) Betreuung wichtig und häufig

 

 

(lehrerzentriert)

 

lernerzentriert

 

 

(asynchron (eigentl. n/a, da keine Kommunikation)

 

asynchron/ synchron

 

 

ungetaktet oder getaktet

 

getaktet

 

 

 

 

 

 

 

Implementierung: Mediendidaktik und –design spielen eine große Rolle

 

Implementierung: Mediendidaktik und –design spielen eine geringere Rolle

 

 

hoher Implementierungsaufwand, niedriger Betreuungsaufwand

 

geringer Implementierungsaufwand, hoher Betreuungsaufwand

 

 

Betonung des Multimedialen

 

Weniger Multimedia

 

 

vernetzt

 

linear (--> vernetzt)

 

 

 

 

 

 

 

Verortung nach Schulmeister 2003:

 

 

(Form: virtuell)

 

Form: integriert --> virtuell

 

 

(Funktion: n/a)

 

Funktion: asynchrone Kommunikation --> synchrone Kooperation

 

 

Methoden: Instruktion oder expositorische Lehre

 

Methoden: moderierte problemorientierte Arbeitsgruppen --> selbstorganisierte Lerngemeinschaften

 

 

 

 

 

 

 

Verortung nach Harmon & Jones  1999:

 

 

(Immersive Web-Use)

 

Essential Web-Use --> Immersive Web-Use

 

 

 

 

 

 

 

Anm.:
Selbstverständlich schließt die eine Seite die andere selten aus. Überschneidungen sind möglich.

n/a .... nicht anwendbar

 

 

 

 

Tabelle 1: eLearning mit Selbstlernmaterialien und Seminaristisches eLearning (eigene Darstellung)


Die Bedeutung dieser Unterscheidung liegt darin begründet, dass für "eLearning mit Selbstlernmaterialien" und für "Seminaristisches eLearning" je unterschiedliche Aspekte didaktischer und instruktionaler Theorien sowie von Theorien des Lehrens und Lernens und deren Umsetzung in die Praxis von Relevanz sind. So haben - um nur je ein Beispiel zu nennen - die von Mayer 2001 aufgezeigten "Multimedia Principles" vor allem für die Gestaltung von Selbstlernmaterialien hohe Relevanz, Theorien und Befunde rund um "Computer Supported Collaborative Learning" (CSCL) spielen dagegen speziell im Kontext von seminaristischem eLearning eine Rolle. 



Folgen der Web2.0-Entwicklungen auf das Lehren und Lernen mit neuen Medien

Bevor wir diskutieren, ob Entwicklungen der Netzkultur der letzten zwei, drei Jahre auf universitäres Lehren und Lernen mit neuen Medien Auswirkungen haben oder haben können (und wenn ja, welche), macht es Sinn, zuvor fest zu machen, welcher Seite der oben aufgezeigten Klassifikation wir uns zuwenden.

Auf der Seite der Selbstlernmaterialien besteht ein wesentlicher Einfluss der gemeinhin unter dem Begriff "Web2.0" zusammengefassten Entwicklungen in den neuen Formen des Umganges mit Content und vor allem bei der Erstellung von Content (Lerninhalten, Lernobjekten). Wir möchten an dieser Stelle nur einige wenige Beispiele nennen: 

In unserem Workshop und in diesem Artikel wollen wir uns aber vor allem auf das prozesshafte, auf das kollaborative und kommunikative Lehren und Lernen mit neuen Medien beziehen, auf ein – wie wir es hier nennen möchten – seminaristisches eLearning. Gemeint ist, ein Lernen, bei dem nicht fertig bereit gestellte Inhalte konsumiert werden. Statt dessen sind die Lernenden gefordert, Informationen zu recherchieren, diese einzubringen und/oder Inhalte selbst zu erstellen; ein Lernen, bei dem die Lernenden längst vor dem Einzug der neuen Medien in unsere Hochschulen von passiv Konsumierenden zu aktiv Gestaltenden werden durften.



Beispiele für seminaristisches eLearning mit Social Software in universitären Lehrveranstaltungen

Um die Möglichkeiten und den Einfluss von Web2.0-Entwicklungen auf ein seminaristisches eLearning diskutieren zu können, wollen wir Beispiele universitärer Lehrveranstaltungen schildern, in denen typische als Social Software zu klassifizierende Werkzeuge verwendet werden (in den geschilderten Fällen sind dies vor allem Wikis, Weblogs, RSS-Dienste, Tagging und auch Diskussionsforen):

Zu Beginn der Lehrveranstaltung "Projektseminar eLearning" im SS 2006 wurden Studierende in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe konnte ein von der Lehrveranstaltungsleiterin vorgegebenes Thema bzw. Projekt wählen. In den Projekten sollte das bisher erworbene Grundlagenwissen bereits absolvierter Lehrveranstaltungen angewendet werden (z.B. Berücksichtigung von motivationalen Aspekten, Einbeziehen didaktischer Aspekte etc.). Die Aufgabe für die Studierenden bestand darin, während des Semesters laufend an dem Projekt zu arbeiten und den Lern- und Projektfortschritt zu dokumentieren (ePortfolio). Im Laufe des Semesters mussten die Projekte einmal präsentiert und zudem im Plenum diskutiert werden. In der verbleibenden Zeit innerhalb der LV konnten die Studierenden an ihren Projekten bzw. an ihren ePortfolios arbeiten. Lehrveranstaltungsbegleitend wurde ein Kurs in der Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt. Dieser gab einen Überblick über Organisation, Ablauf der LV, neue und wichtige Ankündigungen, bot ein Diskussionsforum und Chat, alle Präsentationsunterlagen und Literaturvorschläge sowie Links. 

Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Konkret sollten die Studierenden ein ePortfolio in der ePortfolio-Plattform Elgg erstellen und ihr Lerntagebuch entweder im Wiki oder im Elgg führen. Dabei sollten sie über ihre (Lern-)Erfahrungen mit dem Thema und mit den verwendeten Werkzeugen (Wiki und Elgg) reflektieren und protokollieren. Gegen Ende der Lehrveranstaltung mussten die Studierenden im Rahmen einer Übung den Projektbericht einer anderen Gruppe lesen und kommentieren. Am Ende des Semesters sollte ein abgeschlossener Projektbericht (in Form eines ePortfolios) im Wiki der Universität Linz vorliegen (elearn.jku.at/wiki/index.php/Projektseminar_eLearning).

In einer Lehrveranstaltung im WS 2005/06 von Bernad Batinic an der Universität Linz war es die Aufgabe von Studierenden ein Lehrbuch zu verfassen. Dieses sollte im Wiki geschrieben werden und Themen der Lehrveranstaltung, namentlich die Gestaltung und Evaluation von eLearning-Szenarien umfassen (elearn.jku.at/wiki/index.php/Gestalten_und_Evaluieren_von_eLearning_Szenarien). Jede/r Student/in hatte ein Kapitel zu bearbeiten. Mit diesem Lehrbuch von Studierenden für Studierende sollte eine Alternative zu herkömmlichen Lernszenarien, wie das Schreiben von Seminararbeiten, erprobt werden.

Seminaristisches eLearning mit  Social Software in dieser LV: Im Peer Review-Verfahren musste jede/r Student/in ein Kapitel eines Kollegen oder einer Kollegin lesen und bewerten. Darauf aufbauend wurden die Kapitel überarbeitet. Eine darauf folgende Lehrveranstaltung zielte darauf ab, das Lehrbuch zu vervollständigen und zu optimieren (so wurden z. B. Kontrollfragen am Ende jedes Kapitels eingebaut). Die Studierenden waren eingebunden in ein gemeinschaftliches Projekt, bei dem im Kontext gelernt werden konnte und Lernszenarien gestaltet und evaluiert wurden. Sie hatten somit die bereits recherchierten, verfassten und relevanten Aspekte im Projekt "Lehrbuch" angewendet. Durch das Peer-Review Verfahren kam noch zusätzlich der Evaluationsaspekt zur Geltung.

Im Sommersemester 2006 haben 70 Studierende eines Proseminares am Fachbereich Soziologie der Universität Salzburg (abgehalten von Manfred Gabriel) gemeinsam das Wikibook "Soziologische Klassiker" verfasst. Abgesehen von der Koordination der Arbeitsgruppen und ersten Recherchen und Vorarbeiten, die in der Lernplattform der Universität Salzburg erfolgten, fand die inhaltliche Arbeit fast zur Gänze auf de.wikibooks.org statt. Bis zum Ende des Semesters sind so knapp 70 lexikalische Einträge zu wichtigen Soziologinnen und Soziologen entstanden. Sowohl der Verlauf als auch das Ergebnis der Arbeit können unter de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker eingesehen werden. Eine ausführlichere Beschreibung des Konzeptes dieser LV finden Sie in der Sammlung didaktischer Szenarien auf dem neuen fnma-Portal (Direktlink: www.fnm-austria.at/strategiecontent/Ditaktische/).

Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Die Studierenden haben gemeinsam an einem größeren Ganzen gearbeitet und sich dabei die neuesten Entwicklungen des WWW zu Nutze gemacht: kursinterne Wikis; das Wikipedia-Seitenprojekt Wikibooks; universitätsexterne Personen (allen Salzburger Beteiligten unbekannte Nutzer/innen von Wikibooks) haben sich inhaltlich und speziell als Redakteure in die Arbeit eingebracht und insbesondere auf die Berücksichtigung von Urheberrechten und die Verwendung von lizenzfreien oder nach Creative Commons lizenzierten Inhalten (de facto Texte und Bilder) geachtet.



Evaluationsergebnisse


Bislang liegen uns nur vereinzelte Erkenntnisse darüber vor, wie Studierende derartige Formen des Lernens bewerten, ob sie davon in der einen oder anderen Form profitieren und darüber auch, ob bei der Realisierung solcher Szenarien Aufwand und Ertrag in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Zu zwei der oben genannten Beispiele konnten wir bisher Evaluationen durchführen (zwei der drei LV, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt, Jänner 2007, abgeschlossen sind). Ergebnisse der Evaluation der beiden noch laufenden LV sowie anderer hier nicht genannter werden ab Ende Februar 2007 vorliegen.

Am Ende des Semesters füllten 29 von 34 Studierende einen mehrteiligen Fragebogen aus. Dieser bestand aus dem HILVE (Heidelberger Lehrveranstaltungsinventar, Rindermann & Amelang, 1994) und aus zusätzlichen Fragen zum Lehrveranstaltungskonzept (45 Items und zwei offene Fragen). Dabei wurden die Studierenden gebeten die an sie gestellten Aufgaben in der Lehrveranstaltung zu bewerten, das ePortfolio-Konzept sowie Weblog und Wiki für den Einsatz in der Lehre zu beurteilen. Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebisse daraus dargestellt:

Insgesamt wurde aus der Evaluation ersichtlich, dass Wikis für das gemeinsame Lernen hilfreicher eingeschätzt wurden als Elgg bzw. der damit verbundene Weblog; die Gründe dafür gälte es in weiteren Studien zu untersuchen. Durch die offene Frage und die abschließende Diskussion in der Lehrveranstaltung wurde ersichtlich, dass einige Studierende nicht wussten wie sie Elgg verwenden und was sie ins Weblog schreiben sollten. Bei einigen Studierenden konnte vor allem eine vermehrte Reflexionstätigkeit am Ende der Lehrveranstaltung festgestellt werden. In künftigen Szenarien gilt es diesen Aspekt mit zu berücksichtigen, z.B. in Form von Zwischenbeurteilungen. Auffällig ist zudem die Präferenz einheitlicher Werkzeuge (und im Umkehrschluss damit die geringe Bereitschaft heterogene Werkzeuge zu verwenden).

 

 

M

SD

1

2

3

4

5

6

7

%

%

%

%

%

%

%

Wiki für Projekt-Seminararbeiten finde ich ...                                 

(7 = sehr hilfreich, 1 = gar nicht hilfreich)

6,07

1,06

0

  0

3,4

3,4

20,7

27,6

44,8

Ich will nicht in einem Wiki schreiben

1,97

1,61

69,0

3,4

6,9

6,9

10,3

3,4

0

Ich würde es besser finden, wenn immer nur ein Lerntool zum Einsatz kommt (nur ein Weblog oder nur ein Wiki)

5,11

2,33

14,3

7,1

3,6

10,7

7,1

7,1

50,0

Weblogs für Projekt-Seminararbeiten finde ich ...                                 

(7 = sehr hilfreich, 1 = gar nicht hilfreich)

3,54

1,79

14,3

21,4

10,7

25,0

14,3

7,1

7,1

Ich will nicht in einem Weblog schreiben

3,14

2,13

35,7

14,3

7,1

14,3

7,1

14,3

7,1

Die Beschäftigung mit Wiki/Weblogs etc. hält mich vom Lernen ab

2,11

1,52

57,1

10,7

7,1

17,9

3,6

3,6

0

Ich hätte gern ein einheitliches Lerntool, das von der Uni zur Verfügung gestellt wird   (z.B. ein Weblog)

5,82

1,27

0

3,6

0

7,1

32,1

14,3

42,9

Ich möchte einen Log-In für alle angebotenen Lerntools (Wiki, Weblogs) und Lernplattformen (Moodle, ScholionWB+, WeLearn)

6,00

1,51

0

3,6

7,1

7,1

10,7

10,7

60,7

Ich möchte, dass Wiki und Weblogs vermehrt in LV eingesetzt werden

4,96

1,66

7,1

0

7,1

21,4

25,0

17,9

21,4

Ich möchte, dass die LV-Leiter/innen der Uni alle einheitlich ein Wiki/Weblog verwenden

5,89

1,64

0

7,1

7,1

3,6

10,7

14,3

57,1

Tabelle 2: Studierende bewerten Weblog und Wiki im Projektseminar "eLearning" (N = 29; 1 = trifft gar nicht zu, 7 = trifft voll und ganz zu)

Leider ist es nicht möglich, Aussagen über jene 37 Studierende zu treffen, die diesen Fragebogen nicht ausgefüllt haben. Und ebenso könne wir leider keine Aussagen über die objektive Lernwirksamkeit (gemessen auf Basis von Wissenstests) dieses Szenarios in Vergleich zu anderen Szenarien treffen.


 

%

%

%

%

%

 

N

M

SD

Das Lernen im Wiki-Projekt in dieser LV habe ich ...

 

 

 

als sehr intensiv empfunden (1)

36,4

48,5

15,2

0,0

0,0

(5) als gar nicht intensiv empfunden

33

1,79

,69

mehr gelernt als durch klassische Vorträge der LV-Leitung (1)

33,3

39,4

18,2

6,1

3,0

(5) weniger gelernt als durch klassische Vorträge der LV-Leitung

33

2,06

1,02

mehr gelernt als beim Lernen eines Skriptums zum gleichen Thema (1)

30,3

39,4

9,1

15,2

3,0

(5) weniger gelernt als beim Lernen eines Skripts zum gleichen Thema

32

2,19

1,14

mehr gelernt als durch das Schreiben einer PS/SE-Arbeit zum gleichen Thema (1)

12,1

24,2

33,3

9,1

9,1

(5) weniger gelernt als durch das Schreiben einer PS/SE-Arbeit zum gleichen Thema

29

2,76

1,15

Im Wiki-Projekt in dieser LV haben wir Studierenden ...     

 

 

 

mehr als sonst üblich voneinander gelernt (1)

39,4

30,3

18,2

6,1

0

(5) weniger als sonst üblicherweise voneinander gelernt

31

1,90

,94

 Tabelle 3: Studierende bewerten den Wiki-Einsatz in der LV "Lektüre klassischer Soziologischer Texte" an der Univ. Salzburg.




Diskussion und Ausblick

Abschließend möchten wir noch auf ein paar zentrale Probleme, die sich bei einem (seminaristischen) Lehren und Lernen mit umfangreicher Nutzung von Social Software ergeben, eingehen. Dabei basieren einige Diskussionspunkte auf den vorgestellten Evaluationen oder anderen quantitativ-empirischen Ergebnissen. Die restlichen Punkte sind Wahrnehmungen und Eindrücke qualitativer Art, die wir hier lediglich zur Diskussion stellen wollen und die noch einer quantitativ-empirischen Überprüfung harren.


Zusammenfassung

Im Workshop an der 13. fnma-Tagung und in diesem Artikel haben wir versucht, einige Aspekte und Auswirkungen der Entwicklungen der Netzkultur der vergangenen zwei, drei Jahre auf den Bereich des Lehrens und Lernens mit neuen Medien zu diskutieren. Dabei haben wir zwischen einem eLearning mit Selbstlernmaterialien und - umfangreicher diskutiert - einem seminaristischen eLearning unterschieden. Für ersteres sind vor allem die neuen Möglichkeiten des Auffindens, des Bereitstellens und der Weiter-/Verwendung von Content bzw. von Lernobjekten von Relevanz. Für ein seminaristische eLearning sind dagegen die vielfach neuen Möglichkeiten der Kommunikation und Kollaboration sowie des Umgangs mit Inhalten entscheidend. Ausdrucksform hierfür ist ein hoher Grad an Vernetzung von Studierenden, Lehrenden und Inhalten. Probleme, die in diesem Zusammenhang unter vielen anderen zu diskutieren sind, betreffen den mit solchen Aktivitäten verbundenen Zeitaufwand sowie die Qualität der von den Studierenden dieser Art zu erwartenden Beiträge. 



Verwendete Literatur



Fußnoten: 
1) RSS ist eine Technologie, die vielfache Möglichkeiten der Vernetzung und vor allem des Beziehens von Inhalten, bietet. Auf Webseiten implementierte RSS-Feeds informieren automatisch über Neuerungen beliebiger Art (neue Weblog-Einträge, neue Photos, neue Musikstücke, ...). Diese Feeds können mit so genannten RSS- oder News-Readern abonniert werden oder auch wieder in andere Webseiten eingebunden werden.
(back)
2) Als Tagging wird das Versehen von digitalen Content-Objekten jedweder Art (Photos, Videos, Links, Weblog-Einträge, ...) mit beliebig vielen und beliebig wählbaren Stichworten, so genannten Tags, verstanden. (back)
3) Personal Learning Environment, kurz PLE, meint im Gegensatz zu Lernplattformen, die von Lehrenden kontrolliert werden und von Studierenden nicht oder nur in sehr begrenztem Maße mit/gestaltet werden können, von Lerner/inne/n selbst erstellte und kontrollierte Netzwerke unterschiedlicher Webservices wie Weblogs, Wikis, ePortfolios, Community-Plattformen, Plattformen wie Flickr und Youtube u. v. a. m. Stan Stanier hat dies in einer unter http://elgg.net/stans/files/888/3322/elgg.gif abrufbaren Grafik anschaulich dargestellt. Eine weitere, oft zitierte Visualisierung dieser Idee gibt es von Scott Wilson: http://www.cetis.ac.uk/members/scott/blogview?entry=20050125170206. (back)
4) IKT-Kompetenz: Kompetenz zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. (back)